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Die Veranstaltung wird gemeinsam mit Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Bruno Frey abgehalten.
Montag 16.15 - 17.45, im Raum AND-2-48
Ein Shit-Storm ist ein Sturm öffentlicher Entrüstung im Rahmen von sozialen Netzwerken, Blogs oder Kommentarfunktionen von Internetseiten, der meist mit beleidigenden und aggressiven Äußerungen einhergeht. Er kommt in allen Teilbereichen der Gesellschaft, also Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, vor und hat meist verheerende Folgen für die angegriffenen Personen oder Organisationen. In unserem Forschungsseminar werden wir ein Sample von Shit-Storms systematisch anhand verschiedener Teilaspekte analysieren. Hierzu gehören z.B. die charakteristischen Merkmale eines Shit-Storms (im Gegensatz zum Skandal), Hauptursachen und Kontextbedingungen von Shit-Storms, die Verletzung des Privaten und der Persönlichkeitsrechte durch Shit-Storms, die Rolle sozialer Medien und klassischer Medien bei Shit-Storms, die Auswirkungen von Cyber-Mobbing auf die Betroffenen, die Bedeutung von Emotionen und Motiven wie z.B. Gerechtigkeitsempfinden oder Rache für Shit-Storms.
Im Konkreten werden wir uns im Seminar mit Online-Petitionen beschäftigen. Online-Petitionen haben zum Ziel, eine Gruppe an Unterstützern für ein politisches Thema zu mobilisieren. Der Gegenstand dieser Petitionen variiert erheblich, von Menschenrechtsverletzungen (z.B. mangelnde gesellschaftliche Verantwortung von Konzernen), über Informationsfreiheit (z.B. Datenbegrenzung durch die deutsche Telekom oder Snowden-Affäre) bis hin zu regionalen Themen (z.B. Erhalt eines Kulturzentrums), Vorwürfen gegen einzelne Amtsträger (z.B. Christian Wulff) oder Gesetzesänderungen (z.B. Abschaffung der Nichtrauchergesetzte oder Einführung der direkten Demokratie für Deutschland). Während die Debatte in den meisten dieser Petitionen relativ sachlich verläuft, kommt es in anderen Petitionen zu teils erheblichen Beleidigungen, aggressiven Äusserungen und expliziter Kommunikation von starkem Ärger und Wut. So gehören zu den beliebtesten Schimpfwörtern „Troll“, „Scheiss“, „Arsch“, „Schnitte“, „Abzocke“. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass einige der in den Petitionen behandelten Themen, wie z.B. die Telekom-Affäre, auch in den traditionellen Medien mit dem Label „Shit-Storm“ ettiketiert wurden. Viele Informationen liegen uns bereits in kodierter Form als Datensatz vor; diese Daten sollen im Seminar qualitativ oder quantitativ vervollständigt und in Bezug auf bestimmte Forschungsfragen ausgewertet werden. Es wird Ihnen freigestellt bzw. es hängt auch etwas von der Wahl Ihrer Forschungsfrage ab, ob Sie diese quantitativ-empirisch oder qualitativ-empirisch bearbeiten.
Beispielhafte Forschungsfragen unseres Seminars sind: Wie wird ein Shit-Storm in der Literatur definiert? Welche Merkmalsattribute sollten folglich zur Messung eines Shit-Storms herangezogen werden? Was sind die Ursachen bzw. Auslöser für Shit-Storms? Wer ist von einem Shit-Storm auf häufigsten betroffen, z.B. Ämter, Firmen, eine Industrie oder Privatpersonen? In welchem Personenkreis ist das Potential für Shit-Storms hoch, in welchem niedrig? Verletzen Shit-Storms die Privatsphäre der Angeklagten? Welche Rolle spielen soziale und traditionelle Medien im Rahmen der Intensität eines Shit-Stroms? Welche Arten von Anonymität – z.B. der Unterzeichnenden, der Kommentare, des Protestinitiators –gehen positiv mit Shit-Storms einher? Können bestimmte Klassen an Protesten unterschieden werden – z.B. nach Thema oder Adressat –, die oft mit Anonymität einhergehen und somit ein hohes Shit-Storm Potenzial haben? Welche unterschiedlichen kognitiven und emotionalen Motivationen gehen mit solchen Online-Protesten einher, und welche wirken begünstigend auf Shit-Storms? Hängt die Shitstorm-Intensität ausserdem von der Stärke der Identifikation innerhalb der verschiedenen Petitions-Gruppen ab? Im Rahmen der Theorie von “Wisdom of the Crowds” werden wir schlussendlich auch untersuchen, ob „weise“ Gruppen in Online-Protesten seltener beleidigen als „nicht-weise“ Gruppen? Schlüsselkriterien, die in diesem Rahmen eine “weise” Gruppe von einer „nicht-weisen“ Gruppe unterscheiden sollen, sind Meinungsvielfalt, Unabhängigkeit, Dezentralisierung und Aggregation.
Unter der Voraussetzungen, dass Sie sich im Buchungssystem offziell für diese Veranstaltung angemeldet haben, nehmen wir nun Anmeldungen für Seminarthemen (siehe untenstehendes pdf) entgegen. Pro Thema werden ca. drei Studierende zusammenarbeiten (man darf sich jedoch als Einzelperson für die Themen anmelden).
Seminarthemen für Seminar Shit-Storms HS2013 (PDF, 212 KB)
Anmerkung: Die groben Seminarthemen sind als definitiv anzusehen; wir behalten uns jedoch kleine Änderungen innerhalb der Themen vor.
Für die Anmeldung zum Seminar bitte eine E-Mail an lea.stahel@uzh.ch schicken. Beachten Sie bitte, dass Sie sich für den Kurs zudem im elektronischen Buchungssystem der UZH anmelden müssen.
Dieses Seminar kann nach Wunsch und in Absprache mit dem Dozierenden in einem oder auch zwei Semestern abgeschlossen werden. Das Seminar geht in jedem Fall nur ein Semester; im zweiten Semester haben die Studierenden Zeit, ihre Seminararbeit zu verfassen. Wer das Seminar gerne in nur einem Semster abschliessen möchte (z.B.bei Studienabschluss im Winter), muss dementsprechend früher die Arbeit abgeben.
Das Forschungsseminar wird
abgeschlossen.
Gewichtung der Leistungsausweise: Präsentation 30%, Seminararbeit 70%
Abgabetermin für Seminararbeiten der Studenten, die ihren BA / MA schon dieses HS13 abschliessen: 3.Jan 2014
Abgabetermin für Seminararbeiten im Sommer: 19.Mai
Wir stehen Ihnen bei Fragen jeder Zeit gern zur Verfügung (lea.stahel@uzh.ch; katja.rost@uzh.ch)
Einführungsveranstaltung
Erläuterung des Forschungsthemas, Seminarablaufs, 2-/3-er Teambildung und Themenvergabe
Was ist ein Shit-Storm?
Einführung in das Seminarthema (Referenten: Bruno Frey, Katja Rost, Lea Stahel)
Herangehensweise an die Fragestellung/ Operationalisierung
5-min. Seminarzwischenreferate der Teams
Datenerhebung/kein Seminar
Für Fragen stehen wir in jeder Zeit zur Verfügung. Die Daten müssen uns bis spätestens zum 28.10.2013 per Mail zugesendet werden, damit wir diese in einen Gesamtdatensatz überführen können, den wir Ihnen dann als Excel-, SPSS- und Stata-File zur Verfügung stellen.
Empirische Auswertung von Forschungsbefunden I
Vorstellung des Datensatzes und Darstellung alternativer Herangehensweisen an eine empirische Auswertung des Datensatzes mit Hilfe von Excel (z.B. insbesondere für qualitativ-empirische Befunde, z.B. Pivot-Tabellen), SPSS oder Stata (z.B. insbesondere für quantitativ-empirische Befunde, z.B. Mittelwertvergleich, multivariate Regressionsmodelle (OLS, Logit, Event-Analyse)).
Empirische Auswertung von Forschungsbefunden II
Darstellung alternativer Herangehensweisen an eine empirische Auswertung des Datensatzes mit Hilfe von Excel (z.B. insbesondere für qualitativ-empirische Befunde, z.B. Pivot-Tabellen), SPSS oder Stata (z.B. insbesondere für quantitativ-empirische Befunde, z.B. Mittelwertvergleich, multivariate Regressionsmodelle (OLS, Logit, Event-Analyse)).
Präsentation von Forschungsbefunden
Aufbau & Struktur einer wissenschaftlichen Präsentation, Zeitmanagement, Erwartungen der Zuhörer, Wirkung des Referenten
Vorläufige Forschungsbefunde
15-/20-min. Seminarabschlussreferate der Teams. Seminar-Abschluss-Apéro am Mo, 9.12 um 18.00 in der SUZ Cafeteria an der Andreasstrasse 15, SUZ, 5.Stock.
Die Literatur zu den Gruppenthemen, deren Zuteilung zu den Studierenden, und weitere Materialien wurden auf OLAT hochgeladen.